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Steuerveranlagung bei der Teilnahme an Kreativmärkten in Österreich

Nimmt ein Aussteller aus Deutschland an einem Kreativmarkt oder Designmarkt in Österreich teil, so benötigt er eine österreichische Steuernummer und muss eine Jahressteuererklärung abgeben. Dies gilt auch für natürliche Personen, die in Deutschland kein Gewerbe angemeldet haben oder die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen.

Foto Wiener InnenstadtIm Vorfeld zum DaWanda Designmarkt in Wien (11/2015) poppten auf Facebook zahlreiche Dialoge rund um das Verkaufen in Österreich auf. Viele hatten gar nicht mitbekommen, dass man dem österreichischen Steuerrecht unterliegt, wenn man im Nachbarland Umsätze tätigt. Leider war wohl von den sonst so engagierten DaWanda-Organisatoren kein entsprechender Hinweis in den Anmeldeunterlagen enthalten und – so las ich auf Facebook – Auskünfte konnte oder wollte man dazu nicht erteilen.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich zweimal beim Finanzamt Graz angerufen und mir von insgesamt drei freundlichen Mitarbeitern erklären lassen, was zu tun ist. Hinweis: Ich bin nicht berechtigt, Rechtsauskünfte zu erteilen und übernehme für die folgenden Aussagen und Links weder Gewähr noch Haftung!

Nimm die nachfolgenden Punkte als Hinweise zum Selbstrecherchieren und wende dich vertrauensvoll an das zuständige österreichische Finanzamt. Mein Text spiegelt die Telefonauskünfte vom 8. und 11. Januar 2016 wider. Links, Inhalte und Tatsachen können sich ändern. Du trägst die Verantwortung für deine unternehmerische Tätigkeit und die dazugehörigen Rechte und Pflichten. Alles klar? Dann schauen wir uns jetzt diese Fragen an:

  • Wie gelange ich an eine österreichische Steuernummer?
  • Welches Finanzamt ist zuständig?
  • Online-Zugang oder nicht?
  • Welche Formulare muss ich nach der Veranstaltung einreichen?
  • Welche Fristen sind zu beachten?
  • Wie läuft das mit der Zahlungspflicht?

Alles, was du brauchst, findest du auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen (BFM).

Auf der Website des österreichischen BFM liest du folgende Erklärung: Ausländische Unternehmerinnen/Unternehmer, die in Österreich Umsätze tätigen, bei denen es nicht zum Übergang der Steuerschuld kommt, sind verpflichtet, sich beim Finanzamt Graz-Stadt registrieren zu lassen.“ Wenn du weiter nach unten scrollst, kommst du zu Ausnahmeregelungen und schließlich zum Antragsverfahren, das verschiedene Formulare bereithält.

Eine österreichische Steuernummer/Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID) beantragen

Natürliche Personen

Die deutsche Kleinunternehmerregelung finde in Österreich keine Anwendung, hat man mir am Telefon erklärt. Als natürliche Person benötigst du zur Beantragung einer österreichischen Steuernummer den Antrag Verf24, der ausgerechnet auf der im vorigen Absatz verlinkten BFM-Unterseite nicht eingebunden ist. (Ich setze den Link hier im Text, sollte er nicht funktionieren, verwende die Suchfunktion auf der Website des BFM.) Du wählst vermutlich am besten die PDF-Datei, die du am Computer ausfüllen, abspeichern, ausdrucken und per Post ans Finanzamt Graz-Stadt schicken kannst. Vergiss nicht, eine Kopie deines Personalausweises oder Reisepasses mitzuschicken, wie es im Formular vorgegeben ist.

Als Bearbeitungsfrist zur Erteilung einer Steuernummer wurden mir 1-2 Wochen genannt. Wenn du den Postweg mit einrechnest, solltest du also allerspätestens drei Wochen vor einer Veranstaltung zur Tat schreiten. (Falls du kurz vor knapp bist, rufe lieber dort an und frage, ob du den Antrag per E-Mail einreichen darfst und lasse dir eine E-Mail-Adresse nennen).

Unternehmen

Personengesellschaften (auch UGs) und Kapitalgesellschaften sollen das Formular Verf19 verwenden, das auf der BFM-Website verlinkt ist. Beigefügt werden müssen bei Personengesellschaften laut Auskunft Kopien der Reisepässe oder Personalausweise aller Gesellschafter, die Gewerbeanmeldung bzw. die UG-Anmeldung, ein Handelsregister-Auszug.

Kapitalgesellschaften müssen neben der Kopie des Gesellschaftsvertrags Unterschriftsproben per Formular Verf26 einreichen sowie einen Auszug aus dem Handelsregister (das in Österreich Firmenbuch heißt).

Wer vorsteuerabzugsberechtigt ist, muss dies noch über das Formular U70 nachweisen.

Hat alles geklappt, dürften einige Tage später zwei Schreiben vom Finanzamt eintreffen – eines mit der Steuernummer (auch Abgabenkonto-Nummer genannt) und eines mit der Umsatzsteuer-ID.

Am Telefon hat man mir noch zwei weitere Formulare genannt, die jedoch auf dieser Unterseite für ausländische Firmen nicht verlinkt sind: Verf16 zum Beispiel für Gesellschaften bürgerlichen Rechts, und Verf15 für GmbHs. Dass diese Formulare auf der genannten Seite nicht verlinkt sind, verunsichert mich etwas. Das Formular U70 wurde mir gegenüber nicht erwähnt, sodass ich hierzu keine weiteren Hinweise geben kann. Sollte euch das also betreffen, hakt bitte sicherheitshalber unbedingt nach!

Zuständig ist das Finanzamt Graz-Stadt

Das Finanzamt Graz-Stadt ist zuständig für ausländische Selbstständige und Unternehmen. Die Anschrift und eine Telefonnummer zum Finanzamt Graz-Stadt findet sich ebenfalls auf der BFM-Website und zwar hier.

Die Sache mit dem Online-Zugang

Theoretisch kannst du deine Einreichungen, auf die wir gleich zu sprechen kommen, auch per Online-Zugang tätigen. Dazu musst du dich bei FinanzOnline auf der BFM-Website registrieren und hier kommt der Haken: Dazu musst du eigentlich persönlich bei einem österreichischen Finanzamt (muss nicht Graz sein) vorstellig werden. Falls also du öfter in Österreich für dich steuerpflichtige Geschäfte tätigen möchtest, solltest du beim nächsten Österreich-Besuch einen Abstecher zu einem Finanzamt planen. Dies gilt grundsätzlich für Unternehmer (also Personen- und Kapitalgesellschaften).

Man hat mir erklärt, dass die Registrierung „aus der Ferne“ nur für natürliche Personen möglich sei und zwar über das Formular Fon1, das per Post einzureichen ist. Sollte das funktionieren, wäre dieser Postweg plus Bearbeitungszeit auch noch einzukalkulieren.

Formulare zur Jahressteuer- und Umsatzsteuerveranlagung

Jeder – ob natürliche Person oder Gesellschaft – muss eine Jahressteuererklärung mittels des Formulars U1 einreichen. Zusätzlich müssen Gesellschaften noch das Formular U30 einreichen, beide zu finden auf dieser Formularübersichtsseite des BFM.

Zum Formular U30 habe ich leider von unterschiedlichen Mitarbeitern des Finanzamts unterschiedliche Erklärungen erhalten: Eine lautet, dass das Formular U30 nur vonnöten sei, wenn der Umsatz in diesem oder im letzten Jahr über 30.000 Euro gelegen habe. Dies sei unabhängig von der Rechtsform des Steuerpflichtigen. Eine andere Auskunft einer weiteren Mitarbeiterin lautete: Unternehmen hätten die U30 auf jeden Fall zusätzlich zur U1 einzureichen – sollte das zutreffen, dann wäre das wichtig für die Fristenregelung. Dazu komme ich gleich noch. Eine dritte Mitarbeiterin bestätigte im Grunde die Aussage der ersten, wonach also die 30.000 Euro-Schwelle gelte. Sorry, wenn ich mich wiederhole: Wenn es euch betrifft, bitte unbedingt beim Finanzamt der Stadt Graz nachfragen oder den eigenen Steuerberater darauf ansetzen! (Obwohl dieser in Österreich nicht vertretungsberechtigt ist, wird er dir sicher helfen können, deine Zahllast = Steuerschuld auszurechnen und vielleicht sogar beim Ausfüllen der Formulare Unterstützung bieten.)

Mareike hat mir dazu noch einen Tipp geflüstert: Die Deutsche Handelskammer in Österreich bietet eine – kostenpflichtige – Hilfe und die Fiskalvertretung an. Sogar längerfristig, wenn du zum Beispiel regelmäßig Umsatzsteuervoranmeldungen in Österreich vornehmen musst.

Einreichungsfristen für die Steuererklärung in Österreich

Die Jahressteuererklärung U1 ist bis zum 30.04. eines Jahres einzureichen.

Die Umsatzsteuervoranmeldung U30 hat kürzere Fristen, die laut Auskunft bei Umsätzen über 30.000 Euro auf den 15. des zweitfolgenden Monats fallen und bei Umsätzen über 100.000 Euro monatlich zu tätigen sind. Ich gehe mal davon aus, dass dich das nicht betrifft und wenn doch, dann musst du mir unbedingt dein Geschäftsgeheimnis verraten 😉

Die Steuern sind unaufgefordert zu entrichten!

Jetzt kommen wir zum vielleicht kritischsten Punkt: Übereinstimmend haben mir alle befragten Mitarbeiter des BFM gesagt, dass die zu entrichtende Steuer selbst auszurechnen und vor Ablauf der Frist zu überweisen sei!

Am Beispiel der Jahressteuererklärung U1 würde das bedeuten, dass du rechtzeitig vor dem 30.04. deine Überweisung tätigen musst, sodass die Steuerschuld per Stichtag 30.04. getilgt ist. Zwar erhältst du dann zu einem späteren Zeitpunkt noch einen Steuerbescheid, aber der beinhaltet nicht – wie in Deutschland bei entsprechender Veranlagung – eine Zahlungsaufforderung. Wenn du auf eine Zahlungsaufforderung wartest, wirst du eine Mahngebühr entrichten müssen. Es wird wie mit vielen amtlichen Dingen im Leben sein: Hat man es einmal kapiert und durchexerziert, ist es für die Zukunft ganz einfach.

Apropos Zukunft: Der gültige volle Mehrwertsteuersatz in Österreich liegt derzeit bei 20%. Wenn du beim nächsten Markt in Österreich mit Registrierkasse unterwegs bist, musst du deine Kasse entsprechend umprogrammieren. Du kannst dir auf alle Fälle mal die Info des BFM zur Registrierkassenpflicht durchlesen, auch wenn diese nach meinen Recherchen nicht für Veranstaltungen wie einen DaWanda-Markt gilt.

Lass es mich zum Abschluss des Beitrags noch einmal wiederholen: Alle Angaben sind Tipps, keine Rechtsauskünfte, nicht bindend und (auch die Links) ohne Gewähr!

Jetzt du: Welche Erfahrungen hast du als deutscher Aussteller mit dem österreichischen Steuerrecht gemacht? Wie lief es für dich bei einem Designmarkt in Österreich? Jeder Kommentar ist willkommen!

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