Kreativmessen, Nachgefragt

Nachgefragt: Wie wars auf der Kreativwelt?

10 Fragen an Mareike von Zaubereike

Mareike Grün hat mit ihrem Label Zaubereike im Januar 2017 an der Kreativwelt in Frankfurt teilgenommen. Einige Monate später blickt sie für meine Reihe „10 Fragen an“ zurück und erzählt von ihren Erfahrungen.

Dass das recht mutig war, war mir auch vorab schon klar.

  1. Hallo Mareike, war das deine erste Messe dieser Größenordnung und wenn ja, warum hast du dich für die Teilnahme entschieden?

Ja, die Kreativwelt 2017 war die erste B2B-Messe, an der ich teilgenommen habe. Und dann auch noch gleich die größte dieser Art in Deutschland, oder sogar Europa … Dass das recht mutig war, war mir auch vorab schon klar. Versucht habe ich es einfach, um in Kontakt mit Wiederverkäufern aus dem Bastel- und Kreativbereich zu kommen.

  1. Was unterscheidet die Kreativwelt von anderen Messen, z. B. der Creativa in Dortmund, bei der du ja auch dabei warst?

Die Kreativwelt ist keine Endkunden-Messe. Es wird also nicht direkt etwas verkauft, sondern Händler und Ladenbesitzer informieren sich über das Angebot. Manche ordern natürlich auch direkt vor Ort. Aber am Stand verkaufen, direkt zum Mitnehmen, das ist nicht erlaubt.

  1. Mit welchen Kosten muss man so ungefähr für die Teilnahme rechnen?

Eine solche Messe ist richtig teuer. Sie kostet locker das Doppelte, wenn nicht sogar das Zweieinhalbfache einer großen Endkunden-Messe. Und das für die gleiche (kleine) Standgröße. Außerdem braucht man mehr Infomaterial zum Verteilen – auch noch mal Zusatzkosten, die nicht zu unterschätzen sind.

  1. Wie früh hast du mit den Vorbereitungen angefangen?

Ehrlich gesagt war ich viel zu spät dran. Man sollte auf jeden Fall ein halbes Jahr vorher mit der Planung beginnen und die benötigten Infomaterialien (Kataloge usw.) anfertigen. Die vier Wochen vorher, in denen ich in die Intensivvorbereitung ging, waren definitiv viel zu knapp. Besonders, da ich anfing, neue Stempelmotive für den Katalog zu gestalten und damit einfach nicht aufhören konnte … Sehr unpraktisch und hektisch in den letzten Tagen. Früher starten spart zudem Druckkosten, da die Express-Zuschläge wegfallen!

Ein abwechslungsreiches Angebot für B2B-Kunden anzubieten, ist etwas anderes als für Endkunden.

  1. Welche Maßnahmen haben dabei die meiste Zeit in Anspruch genommen und warum?

Da es die erste Messe dieser Art war, hat es lange gedauert, bis ich überhaupt für mich selbst ein Konzept ausgearbeitet hatte und wusste, wo ich hin will. Ein abwechslungsreiches Angebot für B2B-Kunden anzubieten ist etwas anderes als für Endkunden. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich „mitten drin“ war. Während der Messe habe ich dann festgestellt, dass mein Ansatz noch nicht wirklich perfekt ist.

  1. Wie zufrieden warst du mit dem Standplatz, der Messeorganisation, Auf- und Abbau und dem ganzen Drumherum, also auch z. B. Werbemaßnahmen?

Das ganze Drumherum war klasse. Die lange Aufbauzeit von mehreren Tagen war herrlich. Frankfurt ist für mich ja „vor der Haustür“ und wir konnten mehrfach hinfahren und den Aufbau in Etappen erledigen. Toll. Das ist bei anderen Messen meist viel, viel hektischer. Die Werbemaßnahmen an sich  und die Betreuung durch die Veranstalter waren auch sehr gut. Bei den Kosten aber eigentlich auch selbstverständlich, oder? Vor dem Aufbau den Standplatz zu finden, war dagegen gar nicht einfach. Die Plätze waren zwar durch die Wände bereits abgegrenzt, aber rein gar nicht beschriftet. Abzählen und hoffen, dass man den richtigen erwischt, war da das einzig mögliche. Zum Einweisen war leider keiner in der Halle. Und jetzt kommt der dickste Minuspunkt: der Standplatz. Gaaaaaanz weit weg vom Geschehen. Leider. Die meisten Messebesucher kamen bei uns gar nicht vorbei. Damit war ich absolut nicht zufrieden. Bei den hohen Kosten wäre es wirklich schön, wenn kleinere und größere Stände besser gemischt wären, damit die Besucher den Anreiz haben, alle Gänge abzulaufen. So hat man keine Chance, wenn man nicht eh schon bekannt ist.

Die meisten Messebesucher kamen bei uns gar nicht vorbei.

  1. Welches Publikum hattest du am Stand?

Die wenigen, die überhaupt unseren Gang entlangliefen, gingen meist ohne rechts oder links zu schauen, zügig an allen Ständen vorbei zur kleinen Bühne am Ende der Halle. Das Publikum, das tatsächlich an unseren Stand kam, war sehr international. Die Kommunikation lief zwar besser als vorab befürchtet, aber mit deutschsprachigen Textstempeln kann man in Tschechien oder Israel nun mal wenig anfangen. Das Schöne war, dass die wenigen deutschsprachigen Besucher, die den Weg in unseren Stand fanden, durchweg positive Rückmeldungen zu unseren Stempeln gaben.

  1. Was hättest du gerne vor dieser Veranstaltung gewusst, was hast du unterschätzt oder dir anders vorgestellt?

Auf jeden Fall hätte ich vorab gerne gewusst, dass ein Stromanschluss für Licht eigentlich ein Muss ist. Auf Endverbraucher-Veranstaltungen wird darauf hingewiesen  wenn die Halle an sich zu dunkel ist. Außerdem hatte ich wirklich mit mehr deutschsprachigen Besuchern gerechnet – bei einer Messe mitten in Hessen ;o) Wenn es nächstes Mal „international“ heißt, werde ich das anders interpretieren und das Wörtchen „regional“ vielleicht doch bevorzugen. Und natürlich war ich nicht darauf gefasst, wirklich zwischendurch ewig lang am Stand zu sitzen, ohne Besucher zu sehen. Und das ist nicht so maßlos übertrieben, wie es sich jetzt vielleicht anhört, sondern war tatsächlich so. Es wäre unglaublich viel Zeit für nette Gespräche mit den Nachbarn gewesen, doch mit ihnen konnten wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen – das war zäh. Ihr merkt sicher: Das eigentlich positive Wort „international“ hat durch diese Messe bei mir echt einen Knacks bekommen ;o)

Ich habe mal wieder sehr viel gelernt, von dem ich nie erwartet hätte, es lernen zu müssen!

  1. Und nach der Messe – war die Messenachbereitung anders oder aufwändiger als sonst?

Die Messe-Nachbereitung war natürlich viel aufwändiger als sonst. Auch wenn es weniger direkte Bestellungen gab als gehofft, mussten die doch alle produziert und verschickt werden. Das hat länger gedauert und mehr Nerven gekostet als gedacht. Besonders die Hürden für einen Waren-Versand ins Nicht-EU-Ausland hatte ich total unterschätzt. Fazit: Ich habe mal wieder sehr viel gelernt, von dem ich nie erwartet hätte, es lernen zu müssen!

  1. Würdest du noch einmal an dieser Messe teilnehmen und falls ja, was würdest du anders machen?

Nein, an dieser Messe werde ich nicht noch einmal teilnehmen. Aufwand und Kosten standen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zwar wüsste ich ganz viel, das ich anders machen würde, aber dieses Wissen stecke ich zukünftig lieber in kleinere Messen. Und in die bewährten Endverbraucher-Veranstaltungen. Denn selbst auf manch einer Endverbraucher-Messe habe ich schon mehr Kontakte zu Wiederverkäufern knüpfen können als auf der Kreativwelt. Schade.

Vielen Dank, liebe Mareike, für deine geschätzte Zeit und Unterstützung!

Jetzt du: Wärst du bereit, Blog-Leser an deinen Erfahrungen teilhaben zu lassen? Dann melde dich bitte gerne per E-Mail und ich sende dir einen Fragebogen zu.

Folge mir und schenke ein Like