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Brandschutz: Wenn der Veranstalter besondere Auflagen macht

Beitragsbild Brandschutzauflagen bei Kreativmärkten

Der nächste Stijl-Designmarkt in Leipzig steht an: am 16. und 17. April 2016 in der Kongresshalle am Zoo. Für das über 100 Jahre alte Gebäude gelten besondere Brandschutzbestimmungen. Was bedeutet das für die Standgestaltung?

Jede Veranstaltung hat ihre Richtlinien. Mal sind sie länger, mal kürzer. Im Fall der Leipziger Kongresshalle am Zoo sind sie etwas umfangreicher, denn die schöne Location ist ein aufwendig saniertes Gründerzeit-Gebäude.

Wenn also das Veranstalterteam darauf hinweist, dass man auf die „gewöhnliche Rückwand der Messestände aus Bauzaun verzichten“ werde und dass „besondere Anforderungen an den Brandschutz (B1-Zertifizierung)“ gestellt werden, kommt man als Aussteller ins Grübeln: Was heißt das jetzt? Darf man überhaupt seine normale Standausstattung aufbauen? Gelten Holzregale als schwer entflammbar, oder müssen die mit irgendeinem Mittel behandelt werden? Genügt mein Banner den Anforderungen? Was ist mit Multifunktionstischen?

Nachdem ich im Internet die Versammlungsverordnungen verschiedener Bundesländer durchforstet hatte und immer noch zu keiner befriedigenden Liste brandschutzsichere Standausstattungsteile gekommen war, dachte ich mir: Einfach mal die Messegesellschaft anrufen – in diesem Fall die Messe Leipzig. Diese trägt nämlich die Verantwortung für die Kongresshalle und wird jeden einzelnen Stand vor Beginn der Stijl kontrollieren.

Der technische Leiter, Dirk Weichel, hatte viel Verständnis für meine Nachfrage und räumte gleich mit ein paar Unsicherheiten auf. Ich fasse seine Antworten hier – ohne Gewähr – zusammen:

  • B1 zertifiziert bedeutet, dass ein Material schwer entflammbar ist. Dies muss bei der Veranstaltung in Leipzig definitiv auf Wände und Bodenbeläge zutreffen. Verwendet man also einen Teppichboden, muss dieser B1 nach DIN 4102 entsprechen.
  • Schon im Vorfeld zur Veranstaltung wurden die Aussteller verpflichtet, auch Standaufbauten wie Displaywände und Roll-up-Banner anzuzeigen – die fallen nämlich in die Kategorie „Wände“ und müssen somit den B1-Anforderungen genügen. Hat man also kein zertifiziertes Roll-up dabei (die liegen preislich höher) oder keine schwer entflammbare Systemrückwand, dann wird´s kompliziert mit der Abgrenzung zum Standnachbarn. Denn die Projektagentur, welche die Stijl veranstaltet, hat angekündigt, diesmal auf die üblichen Bauzäune zu verzichten. Ich bin gespannt, wie das gelöst werden wird.
  • Und hier die gute Nachricht: Möbel und Ausstellungsgegenstände sind von den hohen Brandschutzanforderungen nicht betroffen. Ein normales glatt geschliffenes Holzregal wie das Ivar von Ikea, die gängigen Klapptische – alles kein Problem. Herr Weichel meinte, die meisten Aussteller wüssten selbst, was brandgefährlich sei und was nicht.
  • Strahler, die megaheiß werden, sind auch auf anderen Veranstaltungen ein No-Go – das weiß man einfach. Außerdem lassen die sich beim Abbau nicht ohne Abkühlung verpacken. Gesunder Menschenverstand halt.
  • Worauf das Team des Kongresszentrums bei der Abnahme der Stände achten werde, seien zum Beispiel Papp- oder Papierhocker in größerer Anzahl. Materialien also, von denen eine größere Brandlast ausgehe.
  • Unbedingt halten sollte man sich in der Kongresshalle an die Aufbauhöhe von 2,50 Meter und die offenen Decken.

Alles in allem ist sind die besonderen Brandschutzbestimmungen also gar nicht so dramatisch. Man kann eben keinen Pavillonstand mit Zeltdach aufbauen. Aber dazu und zu der darunter herrschenden Düsternis bin ich ja im Kreativmärkte-Buch schon eingegangen.

Das hier Dargestellte gilt für die Stijl in der Leipziger Kongresshalle (ohne Gewähr). Seht ihr euch auf einer anderen Veranstaltung mit speziellen Auflagen konfrontiert, dann gilt: Bei Unklarheiten nachfragen – und zwar bevor ihr losfahrt. Lieber einmal mehr anrufen beziehungsweise nachhaken als einmal zu wenig.

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